Samen sammeln
Heute bin ich zum Gemüsebeet gegangen, um nach Samenständen Ausschau zu halten. Bei Koriander, Rucola, Dill, Radieschen und essbaren Blüten hatte ich die Blüten stehen gelassen, um Samen für das nächste Gartenjahr sammeln zu können.
Ich bin fündig geworden: Beim Rucola konnte ich einige vertrocknete Samenpäckchen abbrechen, ebenso bei den Radieschen und den essbaren Blüten. Zuerst habe ich alles in verschiedenen Schälchen gesammelt und dann später in der Sonne nach und nach die Samen herausgelöst.

Dabei habe ich neu erkannt, dass wirklich jede Pflanze ihre Samen auf eine ganz eigene Art und Weise herstellt. So waren die Rucola-Samen zum Beispiel in einer schmalen Kapsel und weiter innen an einer dünnen Pergamentschicht befestigt, während die Radieschen-Samen in dickeren Kapseln steckten, die innen mit einer schaumstoffartigen Masse gefüllt waren, in der die Samen zum Vorschein kamen.

Die essbare gelbe Blüte, deren Name ich noch nicht kenne, hatte alle Samen an der Blütenkapsel versammelt; diese ließen sich ganz einfach ablösen. Die Ringelblume hatte wiederum sehr große Samen in Form einer Halbsichel mit Zacken und die Korianderblüten waren noch dabei, wunderbare runde Kügelchen zu bilden …

Ist das nicht erstaunlich …

… dass fast jedes Wesen hier auf dieser Erde auf eine ganz eigene Art und Weise Samen produziert, um sich immer wieder neu zu erschaffen. Und dass es allein in der Art der Samenbildung unendlich viele Varianten gibt!

Während ich diese winzigen Samen in der Hand halte, fasziniert und erstaunt es mich, dass in so einem kleinen »Etwas« alles angelegt ist, was es braucht, um den gesamten Kreislauf des Wachsens durchlaufen zu können.

Klar, es braucht Zeit, Geduld, Ausdauer und vor allem die richtigen (klimatischen) Umstände, damit dies gelingen kann. Aber die Möglichkeit besteht in jedem Samenkorn.

Ich frage mich beim Samen-Abknispeln, welche inneren Samen/neuen Geschichten jetzt wohl gerade bei mir entstehen und welche unterschiedlichen Wachstumsthemen in meinem Leben ebenfalls verschiedene Kapseln und Hüllen brauchen, um den entsprechenden Wandel zu ermöglichen.

Jede neue Geschichte braucht eine eigene Art des »In-die-Welt-Kommens«. Manche brauchen eher Stille und Raum, andere Mut oder Vertrauen. Und manche brauchen einen beherzten Schritt ins Tun, den Sprung ins kalte Wasser, oder den Sturz aus dem Nest. Manche benötigen Durchhaltevermögen, vielleicht auch Momente des Scheiterns … und vieles mehr.

Vielleicht wäre es hilfreich, eben diese persönliche »Samen-Geburts-Kapsel« genauer zu erforschen, damit dann dieser Samen, diese neue Geschichte die besten Voraussetzungen erhält, ins Leben zu kommen.
Was sind Eure Ideen und Erfahrungen dazu?

P.S. Ist es nicht interessant, dass so ein Pflanzensamen über den Winter in der dunklen Erde liegt und erst im Frühling zu keimen beginnt?

Greta Horn, 26.10.24
Back to Top