Strukturen im Schnee
Nach einem goldenen Herbst voller herrlicher Sonnentage begann es letzte Woche zu schneien. Bald war das Land mit einer dicken Schneedecke bedeckt. In der Nacht heulte der Schneesturm ums Haus. Das ging so über Stunden.
Am nächsten Morgen schaute ich verwundert nach draußen: Das Schneebild von gestern hatte sich sehr gewandelt. Der Sturm hatte seine Zeichen gesetzt. In unserem Garten gab es jetzt Stellen, an denen der Schnee ganz weggefegt worden war und man durch eine dickere Eisschicht die Erde durchschimmern sah. Dafür konnte ich an anderen Stellen nur noch die Buschspitzen erkennen, dort hatte der Wind Schneeansammlungen geschaffen, die sich bis zu einem Meter Höhe hochwölbten.
Hinter der langen Hecke entdeckte ich Schneeskulpturen, die ein Künstler nicht schöner hätte kreieren können. Abstrakte Gebilde mit scharfen Kanten, Bäuchen, Wellenkämmen und Stufen.
Drehte ich mich um und schaute auf die schneebedeckten Wiesen, fielen mir überall diese erstaunlichen Strukturen auf, die der Wind auf die Schneeoberfläche gezeichnet hatte.
Später stapften wir mit unseren Schneeschuhen durch die unberührten Tiefschneewiesen und ich blieb oft erstaunt stehen, um mir diese Spuren des Windes anzuschauen. Diese natürlichen Strukturen haben mich schon immer fasziniert, hier konnte ich mich kaum satt sehen.
Auch wenn ich es mir später drinnen im Warmen gemütlich machte, so ließ mich doch dieses Wandlungsbild nicht los. Darin lag eine Botschaft.
Sind wir im Leben nicht auch immer wieder Kräften und Dynamiken unterworfen, die uns rütteln, verwirbeln, durcheinanderbringen und neu formen? Werden wir nicht unaufhörlich aus der Balance in ein Ungleichgewicht geworfen?
Was braucht es, um sich diesem Tanz der Lebensstürme hinzugeben?
Was gibt dir in diesen dynamischen Zeiten Halt und Kraft? Und was möchte vielleicht neu entdeckt, vertieft oder verstärkt werden?
Und im selben Moment möchte ich dir zurufen: Diese dynamische, wunderbar wandelnde Kraft, die nie still steht, und die Fähigkeit besitzt, in nie endender Form sich neu zu erschaffen, ist das LEBEN!
Ich wünsche dir zwischendurch immer wieder Momente des Innehaltens und Stillwerdens, um dann dich immer wieder neu in den Tanz des Lebens zu werfen.
Greta Horn, 30.11.24