Gemeinschaft
In meinem Garten ist ein großes neues Gemüsebeet entstanden. Einerseits ist damit ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung gegangen, doch andererseits fühle ich mich mit dieser großen noch unbestellten Erdfläche auch etwas überfordert. So erlebe ich das öfters, wenn sich meine Visionen in die Realität umsetzen. Denn diese gehen meistens ja aus der Komfortzone in den Entwicklungsraum hinein, und das bedeutet eben auch, erst einmal die Hürde des »Keine Ahnung wie das geht« zu überwinden. Ist das nicht eigentlich schön, dass wir uns mit manchen Wünschen so ganz unbedacht in den eigenen Wandlungsmodus befördern:-)
Meine Entwicklung besteht jetzt wohl darin, zuzulassen, dass so ein großes Beet auf einem Berg mit einem rauen Klima Geduld und Erfahrung braucht, ich Fehler machen darf (und werde!) und vor allem um Unterstützung bitten muss. Nicht so meine Stärke.

Am Ende der »ersten Woche mit Acker« bin ich jedoch ziemlich erstaunt, wie leicht und freudig die Dinge an ihren richtigen Platz gefallen sind.
Zuerst bin ich zu meiner Nachbarin in den Stall rüber. Sie hat mich lächelnd begrüßt und während sie mit der Schaufel Pferdeäpfel in meine Eimer hineinpackte, hat sie mir vom neu geborenen Kalb erzählt. In der Box nebenan habe ich das Fohlen begrüßt, das letzte Woche zur Welt kam. Mit gefüllten Eimern Pferdemist zurückgekehrt, konnte ich jetzt Tomaten pflanzen.
Zwei Häuser weiter hat mir der Bauer angeboten, dass ich mir Holzhackschnitzel abholen darf – um neue Wege anzulegen und die Beete zu mulchen.
Eine liebe Freundin ist angereist und wir sind gemeinsam auf dem Acker gestanden und mit Hilfe ihres so reichen Erfahrungsschatzes als Gärtnerin war das Beet schnell bepflanzt, gesät, versorgt und sogar alles notiert für’s nächste Jahr.
Zwischendurch hat mir eine andere junge Nachbarin geschrieben, dass sie frisch geschorene Schafwolle zu verschenken hätte, falls ich sie zum Düngen und gegen die Schnecken gebrauchen könnte. Auch dort wurde ich herzlich begrüßt und fuhr nach einem kurzen netten Gespräch mit voll bepacktem Wagen duftender Schafswolle zurück.

So erlebe ich hier am neuen Ort Gemeinschaft, ganz pragmatisch und sehr einfach. Auch wenn es »nur« um Material für den Garten geht, erfahre ich bei jeder Begegnung immer etwas aus dem Leben der anderen – und dadurch entsteht Verbindung.
Wenn ich jetzt auf meinem Beet stehe, sind diese kleinen Gespräche und Geschichten wie Verbindungsfäden mit eingepflanzt und das macht diesen Gemüseacker lebendig. Sie bilden die Grundlage für die neue Pflanzengemeinschaft, die sich hier zusammengefunden hat.

ps. Und ist es nicht wunderbar, dass es bei Pflanzen nicht anders ist als bei uns Menschen? Da gibt es Pflanzen, die zusammenpassen und welche, die sich nicht mögen. Dann gibt es diejenigen, die mehr Platz brauchen, oder sogar alles andere überwuchern würden und auch diejenigen, die wie Schwestern sich gegenseitig beim Wachsen unterstützen … aber das wäre dann eine neue Geschichte.

Greta, Mai 2024
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