Vom Unterwegssein und Heimat finden
Wir sind hier immer noch dabei, den Garten zu gestalten und ihm neues wildes Leben einzuhauchen. Vom großen Gemüsebeet habe ich ja bereits berichtet.
Vor kurzem kam nun Tina, die Gärtnerin, zu uns. Ihr Bus voll beladen mit zahlreichen Wildblumen-Staudenpflanzen. Nachdem sie alle Stauden auf den Beeten verteilt hatte – was wirklich eine Kunst ist, da jede Pflanze eine eigene Aufgabe in der Beetgemeinschaft innehat – haben wir dann gemeinsam eingepflanzt. Jede Pflanze an ihren neuen Platz gesetzt, an dem sie (hoffentlich) Wurzeln schlagen und wachsen und blühen wird für die kommenden Jahre.
Tina musste die Pflanzen bei drei verschiedenen Gärtnereien bestellen, somit kamen nach und nach die Pflanzenpakete bei ihr an, die sie dann erst einmal auspackte und in Körbe verteilte. Also von der Gärtnerei per Postweg zu Tina und dann mit ihrem Bus zu uns. Und dann endlich in die Erde.
Sieben Prachtkerzen kamen über andere Wege auf den Berg. Letztes Jahr schenkte sie mir meine Mutter zum Geburtstag. Ich bat sie, solange der Garten noch so ungeplant war, sich um die Pflanzen zu kümmern, bis ich wüsste, wo ihr neuer Platz sein sollte. Es verging ein Jahr, und die Prachtkerzen wurden größer und blühten erneut … und vor einer Woche nahm ich sie endlich mit zu uns. Nach über einem Jahr fanden sie jetzt ihren Platz im Staudenbeet. Sie werden mir durch ihr Dasein täglich Grußbotschaften meiner Mutter überbringen.
Und so haben nicht nur wir Menschen unsere Wandlungsgeschichten, sondern auch die Pflanzen … und so wird es nicht nur für mich Zeit brauchen, bis ich mich hier wirklich heimisch fühle, sondern wir werden gemeinsam diese Verbindung zum Land aufbauen und zusammen anwachsen.
Wie doch auch hier die äußere Natur die innere Natur spiegelt. Und im Gestalten des äußeren Raumes etwas im Inneren in Resonanz geht. Und so halte ich es für möglich, dass mir dieses neue Wildblumen-Wachstum im Außen einen neuen wilden Ort im Innern eröffnen könnte.
Greta Horn, Juni 2024