Schwellengang
Zu Beginn der Woche begannen die neuen Zyklen der Earth Meditation. Um mich darauf einzustimmen, bin ich zum Winter-Wald gegangen, um die Erde zu fragen, was es denn jetzt gerade braucht.
Ein kleiner Stock lud mich ein, über die Schwelle zu gehen. Bald zog es mich vom Hauptpfad weg und so folgte ich eine Weile den Tierpfaden, um mich dann dort irgendwo mittendrin auf einem alten vermoosten Baumstumpf niederzulassen.
Dort verweilte ich, atmete erstmal durch und mit der Zeit verfeinerte sich meine Wahrnehmung.
Mir fiel auf, dass es zwei verschiedene Erfahrungsebenen gab.
Einerseits konnte ich Geräusche hören, die menschlicher Natur waren: Die Autobahn, vorbeirasende Autos, über mir Flugzeuglärm; weit entfernt irgendwo im Wald eine Kettensäge.
Und andererseits war da diese zauberhafte Stille im Wald, diese Seinsqualität, eine leichte Brise, die die Zweige sanft bewegte. Mir kam der Satz in den Sinn: »Ich bin hier an einem vergessenen Ort!«. Und genau so fühlte sich das in mir an.
Da draußen war der Menschenalltag mit all den Verpflichtungen, Aktivitäten, getakteter Zeit und Geschäftigkeit. Und ich saß dort an diesem vergessenen Ort und konnte spüren, wie stark sich diese Welten, diese Wirklichkeiten, unterschieden und so getrennt voneinander waren, obwohl doch beides parallel geschah.
Dieser Schwellengang klang noch lang in mir nach. Denn diese Erfahrung im Außen spiegelte sich ebenso in meinem Inneren. Auch in mir kenne ich diese zwei Parallelwelten und ebenso den Moment, wenn ich die Verbindung zu mir, meinem Herzen, der Erde, dem Land, auf dem ich lebe und den Wesen um mich herum vergesse, weil ich einfach zu beschäftigt und abgelenkt bin.
Was mir hilft, mich an die Verbindung zur Erde zu erinnern?
Naturgänge aller Art und Dauer, ein kurzes Innehalten, um den Kontakt zum Boden zu spüren. Für einen Augenblick draußen die Luft einatmen. In der Meditation die Erde ins Herz nehmen. Das sind einige wirksame Möglichkeiten.
Möge auch dein Weg dich immer wieder zu diesen vergessenen Orten im Außen und Innen führen, um dich tief mit dem Lebendigen zu verbinden.
Greta Horn, 25.1.25