Alles braucht seine Zeit
Im Gemüsebeet kann ich so viel lernen, auch hier zeigt sich die Natur als wahre Lehrmeisterin. Täglich zu beobachten, wie sich Wachstum vollzieht – also die Entwicklung vom Samenkorn bis zur Frucht und dann wieder zur Bildung von neuen Samen – inspiriert mich sehr und gibt mir neue Einsichten. Es gibt so viele Aspekte des Betrachtens, Wachsen hat so unterschiedliche Dimensionen.

Da ist zum Beispiel die Erkenntnis, dass es für Wachstum viel Geduld und Zeit braucht. Und dass ich es nicht wirklich beschleunigen kann. Ich kann gießen und mulchen, die Beikräuter reduzieren und die Schnecken fern halten und dafür sorgen, dass die Bedingungen gut sind. Also über das Kümmern meine aktive Unterstützung anbieten. Wobei ich jedoch keinen Einfluss darauf habe, wie das Wetter mitspielt, die Auswirkung von Hitze, Trockenheit, Gewittersturm, Regen, Hagel oder auch nächtlicher Tier-Besuche sind. Und ich muss es aushalten, dass es wirklich lange braucht bis zur fertigen Frucht. Die erste Zucchini habe ich nach 10 Wochen geerntet, wow.

Was ich so erstaunlich finde, dass dieses Zeitgefühl so unterschiedlich ist. In diesem Moment scheint sich fast nichts zu verändern, die Zeit still zu stehen und doch vollzieht sich über die Wochen der ganze Kreislauf des Wachsens. Ganz langsam und stetig wird aus einem kahlen Beet ein üppiger Früchte-Blüten-Wurzeln-Blätter-Samen-Dschungel. Und jede Pflanze folgt dabei ihrem eigenen Plan und Rhythmus des Wachsens. Ist das nicht ein Wunder!

Spanne ich den Bogen zum menschlichen Wachstum, so möchte ich hier diese Erkenntnis von Geduld und Zeit ehren. Auch wir Menschen folgen in unserer Entwicklung einem Plan und setzen immer wieder in neuen Kreisläufen im Innern Samen, die ihre Zeit brauchen, um zur Frucht zu werden. Wie wichtig ist es, mich geduldig darum zu kümmern, dass sich da in mir etwas Neues entwicklen kann.

Dazu gehört ein beständiges inneres Ausrichten, Gedanken- oder Verhaltens-Beikräuter zu entfernen und auch Lebensumstände oder Menschen auf Distanz zu halten, die mich von meiner neuen (Entwicklungs-)Geschichte abhalten wollen. Es braucht Geduld, Ausdauer, Disziplin und Routine, um dranzubleiben. Wie dankbar bin ich dann für Menschen, die mir ihre Liebe, Unterstützung und Halt anbieten.
Und da das Leben dann doch meist anders verläuft, hilft es, zu vertrauen und uns dem Unerwarteten hinzugeben. Und so wachsen wir langsam und beständig in unsere neuen Geschichten hinein.

Greta Horn, August 2024
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